Filmprojekt abgeschlossen

17. Februar 2016 Allgemein, Journal, Medienpädagogik

Es ist wieder soweit, das Filmprojekt an einer IGS in Wiesbaden ist nun abgeschlossen. Erschöpft, aber glücklich kann ich auf die letzten fünf Wochen zurückblicken.

Letztes Jahr wurde ich angerufen, ob ich mir es vorstellen könne, bei einem fünfwöchigen Filmprojekt an einer Schule in Wiesbaden als “Filmprofi / Regisseur” mitzumachen. Ich konnte mir das vorstellen. Nach kurzem Überlegen, und einer Tasse Kaffee, sagt ich dem Projekt zu. Es war ja noch genügend Zeit, um alles vorzubereiten.

Dann, nach ein paar Wochen im Dezember, war es soweit. Mein erster Elternabend an der Schule, natürlich ohne Schülerinnen und Schüler, aber so konnte ich mir schon mal einen schnellen Überblick verschaffen. Eine schöne Schule, mit super netten und aufgeschlossenen Eltern. So habe ich es mir gewünscht. Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Auch wenn ich nach einer Doppelstunde in der Klasse nur einen kurzen Eindruck hatte. Die Idee der Klasse war schnell geboren und ich hatte wohl auch keine andere Wahl mehr: Die Schülerinnen und Schüler haben sich für einen Horrorfilm entschieden.

Schon ein paar Wochen später, im neuem Jahr, erreichte mich eine Email des Storyteams. Die ersten Seiten der Geschichte waren ausgearbeitet und soweit auch schon filmisch umsetzbar. Im neuen Schuljahr nahm das Projekt dann auch schon Formen an. Gleich am ersten Schultag stand ich in der Klasse und die Schülerinnen und Schüler schrieben fleißig an ihrem Drehbuch. In Zweierteams wurde an den einzelnen Szenen gearbeitet, ergänzt und schließlich in einem Drehbuch niedergeschrieben, was dann in der zweiten Woche auch schon filmisch umgesetzt werden sollte. Nun war es an der Zeit Castings zu machen, damit die Schüler für “ihre Wunschrolle” vorsprechen konnten. Eine Entscheidung, die die gesamte Klasse am Schluss getroffen hat – und auch nebenbei eine schöne Gelegenheit eine Technikeinführung mit wechselnden Rollen hinter der Kamera zu machen, sodass jeder schon mal seine / ihre “Passion” finden und ausprobieren konnte.

Eine Klassenfahrt. Eigentlich ja eine Filmfahrt, 26 Schülerinnen und Schüler, ein Lehrer und ich. Aber alles halb so wild, nachdem das erste Chaos am Set geklärt war, ging es auch schon los. Die erste Klappe war gefallen, ein guter Start in der Jugendherberge Zwingenberg. Die Halbzeit ist nah, aber der Dreh noch immer nicht in trockenen Tüchern. In der dritten Woche waren natürlich “nur” alle Szenen in der Jugendherberge abgedreht, also alle Aufnahmen, die in den Zimmern der Jugendlichen spielen. Aber der Magie des Filmes sei Dank, man muss nicht chronologisch drehen. Solange die Schauspielerinnen und Schauspieler im Anschluss die gleichen Klamotten tragen, ist das kein Problem. So konnten wir in der dritten und vierten Woche noch in kleineren Drehteams losziehen und in Wiesbaden und Umgebung entscheidende Einstellungen drehen, die uns für unseren Film noch fehlten.

Während die eine Gruppe der Klasse die Schule verlassen hat, um Außenaufnahmen und Aufnahmen in Locations in der nähern Umgebung zu drehen, saß ein kleines Schnittteam an drei Rechnern verteilt. Die Aufgabenverteilung wie immer durchweg abwechslungsreich: Material sichten und mit Hilfe von “Bandprotokollen” den Schnitt vorbereiten. Wenn diese Vorbereitungen getroffen sind, kann man mit gutem Gewissen in den Schneideraum ziehen. Oder wie in unserem Fall einen Klassenraum, der mit drei Schnittlaptops schon beinahe wie eine Kommandozentrale aussah. Der Schnittraum wurde dann in den nächsten Tagen unser zweites zu Hause. In mehreren Schichten wurde abwechselnd gesichtet, geschnitten, gelacht, das Making of und Zwischenschnitte gesichtet und korrigiert. Emsig sammelten die Schülerinnen und Schüler alles Material, um es zu sichten, zu katalogisieren und in mühevoller Arbeit in den Film – oder in das Making of zu packen.

Ende der vierten Woche begann dann die Zeit der Nachtschichten, das Material, ca. 189 GB an Footage (so nennt man das gedrehte Material), musste noch immer gesichtet, gewandelt und geschnitten werden. Dazu die noch die zermürbende Frage, “wie machen wir jetzt eigentlich den Schluss?”, bzw. “wie wollen wir eine Szene, die an drei verschiedenen Orten, die über vier Tage lang gedreht wurde, sinnig in einem Schnitt zusammenfassend erzählen?” Und vor allem “in welchem Haus wohnt jetzt eigentlich die Gräfin?”, unsere heimliche Hauptfigur des Filmes. Können wir überhaupt drei unterschiedliche Drehorte zu einem Haus zusammensetzen? Merkt das der Zuschauer?

All diese Fragen haben wir in der fünften und letzten Woche des Filmprojektes erfolgreich klären können. Selbst noch ein schneller Nachdreh mit einem Handy, in dem ein Schüler in einem dunklen Gang weggezogen wird, konnte realisiert werden. Eine sehr gute Entscheidung diese Einstellung nochmal neu zu drehen. All diese Entscheidungen liegen jetzt hinter uns – hinter der Klasse und mir und ich glaube, wir würden uns immer wieder so entscheiden. Nach einer Stell- und Lichtprobe ist die Premiere letzten Freitag super gelaufen, die Premiere war ein voller Erfolg – und der fertige Film “Since 1854” sorgt für Nervenkitzel, nicht nur bei den jüngeren Klassen.

Hier geht es zum Trailer.